LYCKAS GRÜNDERSTORY - TEIL I: BERRYJOY

Das hier ist die komplette Geschichte von purefood. Dies ist natürlich nur meine Perspektive und ich bin mir sicher, dass andere in dieser Geschichte vorkommende Menschen Dinge, die passiert sind anders wahrgenommen haben als ich. Ziel dieser Geschichte ist es, dass was ich gelernt habe auf Papier zu bringen aber vor allem für mich selbst zu reflektieren. Wenn jemand anderes einen Wert darin findet, dann umso besser. Vorab: Ich bin kein Autor und mir meiner begrenzten Fähigkeiten bewusst. Da ich aber noch schlechter zeichne als  ich schreibe, war ein Comic keine Alternative.

 

TEIL 1: BERRYJOY GMBH

Alles begann wie so viele Gründergeschichten in einer WG. Großzügigerweise noch als Teil von Eppendorf bezeichnet, war Sie eigentlich bereits in Alsterdorf. Christoph H. ein Jurastudent, der zu einem sehr guten Freund wurde und ich wohnten dort seit dem 01.09.2009 zusammen. Am 01.03.2010 zog Sven Perten ein. Sven und ich hatten grade zusammen unser erstes Semester eines dualen BWL Studiums an der Nordakademie hinter uns und in unserer Wohnung war ein Zimmer freigeworden. Da Sven und ich uns beim Feiern auf dem Campus gut verstanden haben, zog er ein. Wir zogen um die Häuser und wurden Freunde, wie man am Anfang des Studiums schnell Freunde wird. Nicht viel später sponnen wir die ersten Gründungsideen auf unserem Balkon. Sven war bei Olympus im dualen Studium frustriert. Ich war bei der HELM AG, einem traditionellem Hamburger Kaufmannshaus, welches seit 1900 existiert und gefühlt seit 1950 seine Firmenkultur nicht mehr geändert hatte, ebenfalls sehr frustriert. Keine neuen Ideen wurden angenommen, keine Verantwortung übertragen.

Während des 1. Semesters lernten Johannes und ich uns bei den Treffen einer Studentenorganisation kennen. Über kurz oder lang übernahmen Johannes und ich die Leitung des Clubs und bauten ihn immer weiter aus.  Nach weiteren 2 Semestern wurden die Gründungsideen konkreter. Als duale BWL Studenten brauchten wir alle zu unserem Ärger ständig Anzüge und Hemden und mussten uns diese trotz geringer Gehälter (600€–1000€) immer wieder kaufen. Die erste ernsthafte Idee war es maßkonfektionierte Hemden zu importieren mit einem Online Konfigurator. (Diese Idee wurde 1-2 Jahre später von YourTailor und anderen umgesetzt). Aber irgendwie fanden wir Hemden dann doch nicht wirklich spannend und keiner von uns wollte wirklich Hemden tragen. Wir mussten es für unseren Beruf, wenn wir die Wahl hätten, wären wir eher in Jeans rumgelaufen. Im August 2011 sind wir dann alle 3 parallel ins Ausland gegangen.

Johannes nach Madrid. Sven nach Washington und ich nach Boston.

Ich hatte mich im Oktober 2010 für ein Auslandssemester in Harvard und am MIT beworben. Dies war ein Kindheitstraum und ohne große Hoffnungen hatte ich für mich entschieden einfach eine Bewerbung hinzuschicken. Als wir von unserer Uni aus, dann wenig später unsere Zieluniversitäten auswählen mussten, habe ich mir von unseren Partneruniversitäten die Stellenbosch University in Südafrika ausgesucht und bereits eine Zusage bekommen. Im Mai 2011 direkt nachdem ich meine Versicherung für Südafrika abgeschlossen hatte und kurz bevor ich Flüge buchen wollte, kam ein Brief aus Harvard, der mir für das Auslandssemester dort zusagte. Ich flog also voller Aufregung im August 2011 nach Harvard. Dort angekommen entschloss ich mich am Massachusetts Institute of Technology den Kurs „15.390 New Enterprises“, der von Howard Anderson und Bill Aulet unterrichtet wurde. In diesem Kurs wird man innerhalb von 4 Monaten gezwungen ein Unternehmen zu gründen. Die erste Vorlesung war ziemlich legendär. Howard Anderson steht vorne, erklärt für 15 Minuten den Kurs und sagt dann: Bitte postet 3 Geschäftsideen bis zur nächsten Woche auf unser Portal. Tschüss.

Im nächsten Kurs wurden die Ideen bewertet, danach Teams geformt. An meine Ideen erinnere ich mich nicht mehr, aber das Team welchem ich mich anschloss hatte die Idee eine Plattform für ein lokales Crowdfunding aufzubauen. Die Idee, dass man einem Restaurant um die Ecke als Community eines Stadtteils oder eines Dorfes helfen kann durch die Nutzung von Crowdfunding. Über 4 Monate neben vielen anderen Kursen in Harvard erarbeiteten wir einen Prototypen, sprachen mit Endkunden über die Plattform, validierten Pricingmodelle und mussten am Ende des Kurses vor VCs aus Boston unsere Idee präsentieren. Unser Team Bestand aus einem chilenischen Ingenieur, einer amerikanischen Beraterin, die beide im MBA Programm waren und mir. Es war uns klar, dass wir die Idee nicht weiterverfolgen würden, da wir alle uns in die Welt verteilen würden. (Sidenote: Wäre heute wahrscheinlich überhaupt kein Grund mehr, die Idee nicht weiterzuverfolgen). Der Kurs und die 4 Monate haben das Gründen für mich entzaubert. Dieser mystische Gründungsprozess wurde sehr systematisch auseinandergenommen und in seine Einzelteile zersetzt, die wir dann jeweils wieder zusammenbauen mussten.

 

Nach dem Kurs und dem Semester in Harvard und am MIT kam ich Anfang 2012 voller Überzeugung und vor allem mit einer Idee zurück nach Deutschland. Ich habe in Boston neben vielen Stunden in Bibliotheken und Vorlesungssälen vor allem viel Zeit in mehreren Frozen Yogurt Läden verbracht. Frozen Yogurt gab es zu dem Zeitpunkt in Deutschland noch nicht und ich fand Frozen Yogurt super lecker. Gleichzeitig habe ich mich seitdem ich 14 bin immer versucht möglichst gesund zu ernähren und so ziemlich jede Ernährungsweise ausprobiert. Eis, obwohl ich Eis liebte hatte ich eigentlich komplett aus meinem Ernährungsplan gestrichen. Durch Frozen Yogurt, welcher deutlich weniger Kalorien und Fett und Zucker hatte als normales Eis, habe ich endlich wieder Eis essen und genießen können.

Im Januar brütete ich über der Idee und Anfang Februar fuhren Johannes und ich zusammen nach Brandenburg in eine kleine Holzhütte auf dem Land dort für ein Wochenende bei dem wir eigentlich gemeinsam unsere Studentenorganisation weiter entwickeln wollten. Wir nutzten das Wochenende aber dann dafür Geschäftsideen zu brainstormen und diskutieren unter anderem zum ersten Mal ob wir Frozen Yogurt in Deutschland machen sollten. Aus der Hütte haben wir auch Sven angerufen, der am Telefon erstmal nicht so begeistert war. Über die nächsten Wochen haben wir das Thema immer wieder diskutiert. Ich habe angefangen mich in die wenigen Frozen Yogurt Läden die es gab zu setzen um zu gucken, was diese verkaufen. Der Kurs am MIT hatte mir gezeigt, jede Idee kann validiert werden. Wir setzen uns in die 3 bestehenden Frozen Yogurt Läden in Hamburg und zählten was diese pro Stunde verkauften. Nach einigen Wochen im März und April war uns klar 1. Frozen Yogurt ist sehr wetterabhängig und 2. Das allgemeine Niveau der Verkäufe ist zu gering um eine Gastrokette zu skalieren. Wir bauten ein kleines Excel Modell in dem wir je nach Miete und Personalkosten und Verkäufen validieren konnten ob sich ein Laden rechnen würde. Bis Ende April hatten wir so über 100 einzelne Verkaufsstunden aus Frozen Yogurt Läden erfasst und eine gute Idee, was realistisch in diesen Monaten in Hamburg wäre.

Während eines Bildungsurlaubs in Frankreich (2 Wochen Surfen + Franzözisch lernen) entwickelten wir die Idee weiter und kamen zum ersten Mal auf die Idee Frozen Yogurt nicht als selbständige Frozen Yogurt Cafés zu realisieren sondern als kleine 6 Quadratmetergroße Insellösungen für Einkaufszentren. Die Überlegung damals: riesige Schlangen vor Hollisterläden, perfekte Zielgruppe, immer warm, kleine Fläche bedeutet kleine Miete = passt. Dieses Modell konnten wir zumindest in Excel sehr positiv rechnen und es funktionierte basierend auf unseren gezählten Verkaufen bei einer angenommen Miete von 1500 € für 6QM in Einkaufszentren. Von April bis August 2012 entwickelten wir die Idee weiter, fanden erste Lieferanten für den tatsächlichen Bau einer solchen Verkaufsstelle, erstellten die ersten Designs und entwickelten den Markennamen und die Marke. Das Ganze sollte „berryjoy“ heißen. Das Logo entwickelte Sven in PowerPoint.  Im August hatten wir dann die erste Zusage von ECE, einer Tochterfirma von Otto, die alle Einkaufszentren in Deutschland verwaltet. Mit dieser Zusage entschlossen wir uns zu gründen und die berryjoy GmbH erblickte am 29. August zum Start unseres 6. Semesters ihr Leben.  Unser Ziel war es direkt mit Abschluss unseres Bachelors zum März 2013 Vollzeit mit unserem eigenen Unternehmen durchzustarten...


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